DAX muss Federn lassen - Gute Zahlen und lockere Fed verpuffen

Technologieunternehmen wie Apple, Facebook und Nokia liefern starke Zahlen ab, aber der Gesamtmarkt macht nicht wirklich etwas daraus. Auch wenn die entsprechenden Aktien zum Teil kräftig zulegen können, die Börse kann das Bild erfolgsverwöhnter Anleger mit zu hohen Erwartungen nicht abschütteln. Der Deutsche Aktienindex, schon schwach gestartet, musste am Nachmittag im Gleichklang mit der Wall Street weiter Federn lassen. Auch die positiven Nachrichten aus der Geldpolitik sind keine 24 Stunden später schon wieder verpufft, weil vorher eingepreist.

Dabei hätte die gestrige Rede von US-Präsident Joe Biden vor dem US-Kongress ebenso für positive Impulse sorgen können. Vor vierzig Jahren trieben Präsident Reagan und der damalige Fed-Chef Volcker die grundlegende Umstrukturierung der US-Wirtschaft voran. Heute versuchen Biden und Powell das Gleiche – nur in umgekehrter Richtung.

Dieser Paradigmenwechsel riskiert jedoch die Rückkehr der Inflation. Noch agiert die Fed diesbezüglich in einer wohlwollenden Art und Weise den Finanzmärkten gegenüber und machte gestern erneut deutlich, dass an der Zinsfront so schnell nichts geändert wird. So kann der tollkühne Ausgabenplan von Joe Biden in Angriff genommen werden. Die Börse freut die Aussicht auf niedrige Zinsen und eine höhere Nachfrage nach Rohstoffen. Die Rotation hin zu Rohstoffwerten läuft seit dem Wahlsieg des Demokraten.

Langfristig aber besteht die Gefahr, dass die Notenbank so sehr von der Agenda der Biden-Regierung vereinnahmt wird, dass sie ihre Glaubwürdigkeit bei der Inflationsbekämpfung verliert. Bei Zinsen nahe null liegt die Verantwortung bei der Finanzpolitik. Glücklicherweise bedeuten dieselben niedrigen Zinssätze, dass der Staat nicht so viel zahlen muss, um Schulden in großem Stil zu machen – ein Punkt, der wiederholt von Bidens Finanzministerin Janet Yellen angesprochen wurde. Die Fed verstärkt damit aber Bidens ultraexpansive Politik, anstatt zu versuchen, sie auszugleichen. Ein explosiver Cocktail, der zunächst einmal positiv für die Aktienmärkte ist, sich aber irgendwann ins Negative umkehren könnte.

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